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Geschichte der Schokolade: Wer hat die Schokolade erfunden?

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Maya-Jademaske im Schokoladenmuseum Choco-Story in Prag

Kaum ein Lebensmittel wird so geliebt wie Schokolade – und kaum eines hat eine so lange Geschichte. Über 5.000 Jahre liegen zwischen den ersten Kakaospuren in Südamerika und der Tafel im Supermarktregal. Schokolade war zuerst ein bitteres, gewürztes Getränk für Götter und Könige, reiste auf spanischen Schiffen nach Europa, wurde zum Modegetränk der Fürstenhöfe und erst im 19. Jahrhundert zu Tafel und Praline. Hier finden Sie die Geschichte der Schokolade kompakt – mit Antworten auf die Fragen, die am häufigsten gestellt werden.

Wer hat die Schokolade erfunden?

Einen einzelnen Erfinder gibt es nicht. Schokolade wurde über Jahrtausende von den Völkern Amerikas entwickelt. Sie entdeckten, dass sich die Samen des Kakaobaums – fermentiert, getrocknet, geröstet und gemahlen – in ein kräftiges Getränk verwandeln lassen. Olmeken, Maya und Azteken haben jeweils ihren Teil dazu beigetragen. Was Europäer später „erfanden“, waren die Techniken, die Schokolade süß, fest und erschwinglich machten: die Kakaopresse (1828), die erste Schokoladentafel (1847), die Milchschokolade (1875), das Conchieren (1879) und die gefüllte Praline (1912).

Seit wann gibt es Schokolade?

Die ältesten Spuren der Nutzung von Kakao sind rund 5.300 Jahre alt. 2018 veröffentlichten Archäologen Funde aus Santa Ana-La Florida im Südosten Ecuadors, am Rand des Amazonasgebiets: In Keramikgefäßen der Mayo-Chinchipe-Kultur fanden sie Stärkekörner, Theobromin und alte Kakao-DNA. Ob diese Menschen Kakao anbauten oder von wilden Bäumen sammelten, ist noch umstritten.

In Mittelamerika, wo Schokolade als Getränk ihre eigentliche Form bekam, stammen die frühesten chemischen Nachweise aus Gefäßen der Mokaya in Paso de la Amada an der mexikanischen Pazifikküste, datiert auf etwa 1900 v. Chr., und etwas später aus dem Gebiet der Olmeken. Diese Ergebnisse beruhen auf wenigen Gefäßen – die Datierungen können sich mit neuer Forschung also noch verschieben.

Woher kommt Kakao?

Geöffnete Kakaoschote mit frischen Kakaobohnen im weißen Fruchtfleisch

Kakao stammt aus den Samen von Theobroma cacao, einem kleinen Baum, der nur im heißen, feuchten Gürtel etwa 20 Grad nördlich und südlich des Äquators wächst. Seine genetische Heimat ist das obere Amazonasbecken in Südamerika. Von dort gelangte er nach Mittelamerika und Mexiko, wo er jahrtausendelang angebaut wurde. 1753 gab ihm der schwedische Botaniker Carl von Linné seinen wissenschaftlichen Namen: Theobroma bedeutet auf Griechisch „Speise der Götter“.

Die Früchte, die Kakaoschoten, wachsen direkt am Stamm und an dicken Ästen. In jeder stecken 30 bis 50 Samen in süßem, weißem Fruchtfleisch – die Kakaobohnen. Heute wird der meiste Kakao in Westafrika angebaut, vor allem in der Elfenbeinküste und in Ghana, daneben in Lateinamerika und Asien. Mehr dazu lesen Sie in unseren Artikeln Woher kommt Kakao? und über die drei Kakaosorten Criollo, Forastero und Trinitario.

Die Maya: Schokolade für Götter und Könige

Für die Maya war Kakao eine heilige Pflanze, die in Mythen, Kunst und Ritualen auftaucht. Sie tranken ihn bitter, oft mit Chili, Vanille oder Blüten, und gossen ihn von einem Gefäß ins andere, um einen dicken Schaum zu erzeugen – den begehrtesten Teil des Getränks. Ein rund 1.500 Jahre altes Maya-Gefäß aus Río Azul in Guatemala trägt die Hieroglyphe für Kakao, und Chemiker fanden darin tatsächlich Schokoladenreste: Etikett und Inhalt sind gemeinsam erhalten.

Kakao wurde bei Festen, Hochzeiten und Zeremonien getrunken, die Bohnen dienten auch als Opfergabe. Das Getränk war der Oberschicht vorbehalten – Kakao selbst gehörte aber zum alltäglichen Handel.

Die Azteken, Xocolatl und Kakaobohnen als Geld

Im kühlen Hochland Zentralmexikos konnten die Azteken keinen Kakao anbauen. Sie bezogen ihn über den Handel und als Tribut aus eroberten Gebieten – das machte ihn kostbar. Kakaobohnen dienten als Kleingeld: Eine Preisliste aus Tlaxcala von 1545, bereits unter spanischer Herrschaft, nennt für eine reife Avocado eine Bohne, für ein Truthahnei drei Bohnen und für eine gute Truthenne etwa hundert. Manche fälschten sogar Kakaobohnen, indem sie leere Schalen mit Lehm oder Erde füllten.

Das aztekische Getränk, meist cacahuatl genannt, wurde kalt, schaumig und gewürzt getrunken – vor allem von Adligen, Kriegern und reichen Händlern. Laut dem spanischen Chronisten Bernal Díaz del Castillo bekam der Herrscher Moctezuma zu seinen Mahlzeiten Dutzende Krüge mit aufgeschäumtem Kakao serviert. Woher das Wort „Schokolade“ stammt, ist nicht ganz geklärt: Oft wird es auf das Nahuatl-Wort xocolatl zurückgeführt, Sprachforscher schlagen aber auch andere Ursprünge vor, etwa chicolatl. Probieren Sie es selbst mit unserem Xocolatl-Rezept nach Art der Azteken – und lesen Sie mehr über Kakaobohnen als Zahlungsmittel.

Wie kam die Schokolade nach Europa?

Wachsfigur eines spanischen Konquistadors im Schokoladenmuseum Prag

Die ersten Europäer, die Kakao sahen, waren Christoph Kolumbus und seine Mannschaft. 1502, auf seiner vierten Reise, trafen sie vor der Insel Guanaja bei Honduras auf ein großes Handelskanu der Maya, das unter anderem Kakaobohnen geladen hatte. Die Spanier bemerkten, wie wertvoll die Bohnen für die Einheimischen waren – warum, verstanden sie nicht.

Keine zwanzig Jahre später lernten Hernán Cortés und seine Männer den Kakao am Hof der Azteken kennen. Eine beliebte Geschichte erzählt, Cortés selbst habe die Schokolade nach Spanien gebracht – belegt ist das nicht. Der erste dokumentierte Auftritt der Schokolade in Europa stammt aus dem Jahr 1544: Dominikanermönche brachten eine Gesandtschaft von Kekchi-Maya-Adligen aus Guatemala an den Hof des späteren Königs Philipp II. Unter den Geschenken waren Gefäße mit geschlagener Schokolade. Regelmäßige Kakaolieferungen nach Spanien folgten im späteren 16. Jahrhundert.

Die Spanier passten das Getränk ihrem Geschmack an: Sie tranken es heiß und süßten es mit Rohrzucker, Zimt und Vanille. Jahrzehntelang blieb Schokolade eine spanische Spezialität.

Schokolade an den Fürstenhöfen Europas

Wachsfigur einer Adligen mit Schokoladenservice in einem Fürstensalon

Im 17. Jahrhundert verbreitete sich die Schokolade von Spanien aus über ganz Europa – über Klöster, Kaufleute und königliche Hochzeiten. Traditionell heißt es, spanische Prinzessinnen hätten sie am französischen Hof in Mode gebracht. In den 1650er-Jahren eröffneten in London die ersten Chocolate Houses. Heiße Schokolade wurde zum Getränk des Adels, serviert in eigenen Porzellantassen und Kannen mit einem hölzernen Quirl, dem Molinillo, zum Aufschäumen.

Schokolade wurde auch in Apotheken verkauft und galt lange als Arznei: Ärzte verschrieben sie zur Stärkung, gegen Schwäche und für die Verdauung. Kirchenleute stritten darüber, ob ihr Genuss das Fasten bricht.

Schokolade in Böhmen und Prag

Über die Habsburger waren die böhmischen Länder eng mit Spanien verbunden – Kaiser Rudolf II., der Prag zu seiner Residenz machte, war am spanischen Hof erzogen worden. Nach dem tschechischen Historiker Karel Černý stammt die älteste tschechische Erwähnung von Kakao aus der Zeit vor 1650; anfangs war Schokolade offenbar vor allem bei Geistlichen beliebt. Lange blieb sie ein Luxus. Erst im 19. Jahrhundert entstanden in den böhmischen Ländern die ersten Schokoladenfabriken, und Schokolade wurde nach und nach erschwinglich.

Vom Getränk zur Tafel: die Schokoladenrevolution des 19. Jahrhunderts

Bis ins 19. Jahrhundert wurde Schokolade fast nur getrunken. Ein paar Erfindungen änderten alles:

  • 1828 – die Kakaopresse. Der Niederländer Coenraad van Houten ließ ein Verfahren patentieren, mit dem sich der größte Teil des Fetts – die Kakaobutter – aus der gemahlenen Kakaomasse pressen ließ. Der Rest wurde zu Kakaopulver gemahlen, das sich viel leichter mit Wasser oder Milch verrühren ließ. Die abgetrennte Kakaobutter wurde zum Schlüssel für feste Schokolade.
  • 1847 – die erste Schokoladentafel. J. S. Fry & Sons aus Bristol in England mischten Kakao, Zucker und zusätzliche Kakaobutter zu einer Masse, die sich in Formen gießen ließ. Ihre Tafel gilt allgemein als erste feste Schokolade zum Essen.
  • 1875 – die Milchschokolade. Im schweizerischen Vevey verband Daniel Peter Schokolade mit der Kondensmilch seines Nachbarn Henri Nestlé. Nach jahrelangen Versuchen entstand eine süße, milde Schokolade, die die Welt eroberte.
  • 1879 – das Conchieren. Rodolphe Lindt baute in Bern eine Maschine, die Schokolade stunden-, ja tagelang rührte. Erst das Conchieren macht Schokolade so zartschmelzend – vorher war sie eher sandig.

Fabriken, billigerer Zucker und neue Maschinen machten aus dem Luxusgut eine alltägliche Süßigkeit. Es entstanden Marken, die bis heute bekannt sind.

Die belgische Praline

Belgien ist das Land der Pralinen. 1912 schuf Jean Neuhaus, dessen Familie in der Galerie de la Reine in Brüssel eine Apotheke und Confiserie betrieb, die erste Schokolade mit weicher Füllung – die belgische Praline. 1915 entwarf seine Frau Louise Agostini das Ballotin, die elegante Pappschachtel, in der die Pralinen nicht zerdrückt werden und die bis heute für belgische Pralinen verwendet wird. Belgische Schokolade ist bekannt für ihren hohen Kakaoanteil, die Verwendung von reiner Kakaobutter und feine Füllungen wie Gianduja und Ganache.

Wie wird Schokolade hergestellt?

Flüssige Schokolade spritzt um einen Stapel Schokoladenstücke

Vom Baum bis zur Tafel durchläuft Kakao viele Schritte – die meisten auf Farmen in den Tropen, die übrigen in der Schokoladenfabrik:

  1. Ernte. Reife Schoten werden von Hand mit der Machete vom Baum geschnitten und geöffnet.
  2. Fermentation. Bohnen und Fruchtfleisch ruhen etwa fünf bis sieben Tage in Haufen oder Kisten. Dabei entstehen die Vorstufen des Aromas – ohne Fermentation kein Schokoladengeschmack.
  3. Trocknung. Die Bohnen werden meist in der Sonne getrocknet, bis kaum noch Feuchtigkeit übrig ist, dann in Säcke gefüllt und verschifft.
  4. Rösten. In der Fabrik werden die Bohnen gereinigt und geröstet; so entfaltet sich das typische Aroma.
  5. Brechen und Schälen. Die Schalen werden aufgebrochen und abgeblasen, übrig bleiben Bohnenstückchen, der Kakaobruch (Nibs).
  6. Mahlen. Der Kakaobruch wird zu einer dickflüssigen Kakaomasse gemahlen. Ein Teil davon kann zu Kakaobutter und Kakaopulver gepresst werden.
  7. Mischen und Walzen. Die Kakaomasse wird mit Zucker, zusätzlicher Kakaobutter und – bei Milchschokolade – Milchpulver gemischt und gewalzt, bis die Teilchen so fein sind, dass man sie auf der Zunge nicht mehr spürt.
  8. Conchieren. Die Schokolade wird stundenlang gerührt und erwärmt; sie wird glatt, und das Aroma rundet sich ab.
  9. Temperieren und Formen. Durch genaues Erwärmen und Abkühlen kristallisiert die Kakaobutter richtig – die Schokolade glänzt und bricht mit sauberem Knacken. Dann wird sie in Formen gegossen oder umhüllt Füllungen.

Zartbitterschokolade besteht aus Kakaomasse, Kakaobutter und Zucker; Milchschokolade enthält zusätzlich Milch; weiße Schokolade wird aus Kakaobutter, Zucker und Milch hergestellt, ganz ohne Kakaomasse.

Die Geschichte der Schokolade im Überblick

  • um 3300 v. Chr. – älteste bekannte Spuren von Kakao, Santa Ana-La Florida, Ecuador.
  • um 1900 v. Chr. – früheste chemische Kakaospuren in Mittelamerika (Mokaya, Mexiko).
  • um 250–900 n. Chr. – klassische Maya-Zeit: Kakao in Kunst, Ritualen und Festen.
  • 15.–16. Jahrhundert – die Azteken zahlen mit Kakaobohnen.
  • 1502 – Kolumbus begegnet einem Maya-Handelskanu mit Kakao.
  • 1544 – erste belegte Schokolade in Europa, am spanischen Hof.
  • 17. Jahrhundert – Schokolade erobert die Fürstenhöfe Europas.
  • 1828 – van Houtens Kakaopresse.
  • 1847 – Frys erste Schokoladentafel.
  • 1875 – Milchschokolade (Daniel Peter und Henri Nestlé).
  • 1879 – Rodolphe Lindt erfindet das Conchieren.
  • 1912 – Jean Neuhaus kreiert in Brüssel die belgische Praline.

Die Geschichte der Schokolade in Prag erleben

Im Schokoladenmuseum Choco-Story, nur wenige Schritte vom Altstädter Ring, wird diese ganze Geschichte in sieben Räumen lebendig: von Maya und Azteken über die spanischen Schiffe und die Salons der Fürsten bis zur belgischen Praline – mit Wachsfiguren, originalen Objekten und interaktiven Stationen. Der Rundgang dauert etwa 30–45 Minuten, mit Audioguide in 13 Sprachen, und endet mit einer Verkostung von bis zu fünf Sorten belgischer Schokolade.

Sie möchten noch einen Schritt weiter gehen? In unserem Schokoladen-Workshop stellen Sie unter Anleitung unserer Chocolatiers Ihre eigenen Schokoladentafeln her und verzieren sie. Das Museum ist täglich von 10:00 bis 22:00 Uhr geöffnet – Tickets online buchen.

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